Spitzentanz und die Abgründe dahinter

Der Opernball, dekoratives Element einer degenerierten Gesellschaft

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Milena Findeis

2/13/20262 min read

Ballerina Schuhe bei Spitzentanz, daneben ein Sportschuh
Ballerina Schuhe bei Spitzentanz, daneben ein Sportschuh

Beim ORF, der mit öffentlichen Geldern finanziert wird, stand die letzten Tage der Opernball im Mittelpunkt der Berichterstattung. Jede und jeder mit einem Hauch von Glamour und Seitenblicke-Aufmerksamkeit wurde gezeigt, interviewt. Darunter die russische Putin-Anhängerin Anna Netrebko, seit 2006 auch österreichische Staatsbürgerin, obwohl sie nach wie vor nicht in der Lage ist, einen vollständigen Satz in deutscher Sprache zu vollenden. Am 18.2.2026 steht auf dem Programm der Wiener Oper ein Solokonzert mit ihr.

Seit ich 1986 aus Österreich weggezogen bin, damals suchte ich einen Arbeitsplatz, der in Österreich nicht zu finden war, nehme ich wahr, wie sehr es in Österreich auf den “Promi-Status” ankommt. Seitdem begleitet mich der Handke Satz “Das Fette an dem ich würge: Österreich” (Das Gewicht der Welt).


Ich las im “The Kyiv Independent”, dass es ukrainischen Teilnehmern bei der Winterolympiade in Italien nicht gestattet ist, an jene zu erinnern, die während des russischen Angriffskrieges gefallen sind. Werbung auf Helmen ist erlaubt, das Erinnern an Getötete nicht.


Der ukrainische Autor, Künstler und Soldat
Serhij Zhadan äußerte sich anlässlich der Sicherheitskonferenz in München über die Zukunft der Ukraine:Wie sollen wir über eine Zukunft sprechen, über deren Format in Verhandlungen entschieden wird? Wie sollen wir die eigenen Vorstellungen und Erwartungen an die Zukunft mit der Rhetorik eines Besatzers, der sich vor allem unsere Kapitulation wünscht, in Einklang bringen? Wir haben eine Vorstellung davon, wie die Welt aussehen sollte, wenn wir erwachen. Aber wir wissen nur zu gut, dass bei Weitem nicht alle unsere Erwartungen zu erfüllen sein werden. Gerechtigkeit ist kein zwingender Bestandteil unserer Wirklichkeit. Aber unser Streben nach Gerechtigkeit ist natürlich und ungebrochen. Meiner Meinung nach ist es genau das, was es heute vielen von uns ermöglicht, nicht in Illusionen zu verfallen und doch die eigene Würde zu bewahren. Denn was ist Würde? Sich nicht dafür zu rechtfertigen, dass man das Verlangen und den Anspruch hat, man selbst zu sein. Sich nicht zu verleugnen. Keine Angst zu haben, man selbst zu sein.”


Es liegt an mir, wem und welchen Beiträgen ich
Aufmerksamkeit schenke. Ich werde raus in den Nebel treten, danach die demente Frau anrufen, ein Buch lesen und den Freundinnen und Freunden in der Ukraine zuhören, sie lesen. Jurij Andrejew schreibt während eines Krankenhausaufenthalts Lyrik:

"Kyjiw weint nicht laut.
Es hat keine Zeit dafür.
Hier verschiebt man das Weinen „auf später“,/
wie das Leben, wie den Schlaf,
wie die Normalität."

Ihr Fokus “den Tag zu überleben” bestärkt mich, während ich bei dem schöngefärbten Dauerlächeln der Schnäppchenjägerinnen in Schnapp-Atmung verfalle. Das bekommt weder meinem Herzen noch meinen Selbstwert.