Mit dem Postbus zur Poststation

Von Kainbach nach Gleisdorf

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Milena Findeis

2/9/20263 min read

Poststation Gleisdorf, Jänner 2026
Poststation Gleisdorf, Jänner 2026

Der erste Kontakt mit Martin Krusche war im Sommer 2012. Ich hatte ein Foto aus meiner Kindheit gepostet: Ein vergilbtes Foto aus dem Sommer 1966 vom Flugplatzrennen in Zeltweg, gemeinsam mit meinen Brüdern sitze ich im Cockpit eines Formel-Baby. Martin arbeitete gerade an einem Buch über die Firma Puch und klärte mich über die technischen Details des Boliden auf. Mein Vater, Unteroffizier in der Kaserne Hinterstoisser war gelernter Automechaniker und hat gerne mit Metall gearbeitet. Geruch nach Motoröl und Benzin, Schmieröl klebt an meinen Erinnerungen zu ihm. Er hat mir Skifahren beigebracht und morgens um 4 Uhr war ich die einzige aus der Familie, die ihn beim Schwammerlsuchen vor Dienstbeginn um 7 Uhr begleitete.

Das erste Treffen folgte im Sommer 2015, da zeigte mir Martin das Puch Museum in Graz. Weitere Treffen folgten in Graz, dieses Mal wollte ich mir einmal seine Wirkungsstätte Gleisdorf ansehen.
Von Kainbach geht stündlich ein Postbus nach Gleisdorf, bei dem es möglich ist, direkt beim Busfahrer eine Fahrkarte zu kaufen. Bei den Grazer Verbundlinien geht das schon seit Jahren nicht mehr. Mit einer der Gründe, warum ich auf ein Handy mit Apps umgestiegen bin. Ich habe mir angewöhnt, mich vor jeder Österreich-Reise über Öffis zu informieren, da ändert sich beinahe mit jedem neuen Fahrplan etwas. Vor allem bei den Tarifen. In Tschechien ist die Benutzung von Öffis im Stadtbereich für Menschen über 65 kostenfrei, es reicht ein gültiger Personalausweis mit Foto.
Laut Taufschein trennen Martin und mich gerade ein Jahr. Wie sich in den Gesprächen herausschälte, gab es einige Schnittpunkte, die uns gemeinsam sind. Beide haben wir früh mit der Arbeit begonnen. Mir war mit elf Jahren klar: Ich will finanziell unabhängig werden, einer Arbeit nachgehen, die mich interessiert. Mein erster Job wurde mir als 15-jährige angeboten. 1972 gemeinsam mit Bruder Tscho waren wir während des Formel 1 Grand Prix auf dem Österreichring dem Tyrrell Team bei Besorgungen behilflich. In der Tyrrell Box sprach mich der damalige Geschäftsführer des Österreichrings Horst May an und bot mir einen Arbeitsplatz an: damals wurde das Sekretariat genannt, wo aber defacto alle Fäden zusammenliegen. Als ein Journalist ausfiel, wurde ich auch mit der Redaktion und Gestaltung des Grand-Prix-Programmhefts betraut. So hatte ich schon neben der Handelsschule einen festen Arbeitsplatz. Damals lernte ich, mit wenig Schlaf auszukommen, eine Gewohnheit, die ich ich erst in den letzten Jahren ablegte: Die Energie ist weniger geworden.
Dem Schlafrhythmus von Martin angepasst, er arbeitet nach wie vor viel nächtens, verabredeten wir Ankunft nach 13 Uhr in Gleisdorf. Er wartete auf mich auf der Busstation Gleisdorf und wir starteten einen Rundgang, Kirche, Stadtplatz und Poststation Gleisdorf. In diesem Areal wird am 8. Mai 2026 die Vernissage "artgerecht" stattfinden. Dabei geht es um die Vernetzung von Genres, in denen Martin ein Meister ist, und die Neugierde hierfür hat mich bis heute in meinem Lebenslauf begleitet.

Poststation Gleisdorf, Jänner 2026

Martin Krusche, Graz, 2017
Martin Krusche, Graz, 2017
Johann, Wolfgang und Milena Findeis, Puch Haflinger, Truppenübungsplatz Schmelz 1967
Johann, Wolfgang und Milena Findeis, Puch Haflinger, Truppenübungsplatz Schmelz 1967

Martin krusche, graz, 2017

Formel baby, flugplatz zeltweg, 1966

Puch haflinger, schmelz 1967

Flugplatz Zeltweg, 1966, Formel Baby - Wolfgang, Tscho, Milena FindeisFlugplatz Zeltweg, 1966, Formel Baby - Wolfgang, Tscho, Milena Findeis

FORMEL BABY, Flugplatz zeltweg, 1966